5 große Vermietungsmythen

Selbst Experten und Rechtsanwälte bezeichnen das österreichische Mietrecht als herausfordernd. Viele kleine und große Novellen des Mietrechts haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass viele Mieter den Überblick über ihre rechtliche Situation verloren haben. Im folgenden Artikel stellen wir 5 häufige Irrtümer vor und erläutern Ihnen die rechtliche Lage:

Foto: Miriam Derler

Vor dem Auszug muss ich die Wohnung jedenfalls ausmalen!

Irrtum!

Eine generelle Verpflichtung zum Ausmalen gibt es nicht, eine standardmäßige Klausel im Mietvertrag ist damit ungültig. Jedoch ist der Mieter verpflichtet, die ihm übergebene Wohnung mit Sorgfalt zu behandeln. Das bedeutet, dass er die Wohnung in etwa so hinterlassen muss, wie er sie vorgefunden hat. Für eine normale Abnutzung kann der Mieter nicht zur Verantwortung gezogen werden. Wichtig ist jedoch zu wissen, wo man sich mietrechtlich befindet. Generell wird das Mietrecht in „Vollanwendung“, „Teilanwendung“ und „vom Mietrechtsgesetz ausgenommen“ unterteilt.

Näheres findet sich unter folgendem Link: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/21/Seite.210211.html

In den folgenden Fällen muss der Mieter die Wohnung jedenfalls selbst ausmalen:

  1. Die Wohnung ist über die üblichen Maßen abgenutzt (tiefe Kratzer, Flecken etc.)
  2. Der Mieter hat die Wohnung in unüblichen Farben (z.B. schwarz, lila) gestrichen.

 

Die Reparaturkosten für die Heizungstherme und den Boiler trägt der Mieter

Irrtum!

Der Vermieter ist sowohl für die Reparatur der Heizungstherme als auch des Boilers zuständig, sofern die Wohnung zumindest teilweise unter das Mietrechtsgesetz oder das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz fällt. Die Kosten für die Wartung hat allerdings der Mieter zu tragen.

Nähere Informationen: http://www.mieterschutzverband.at/index.php?page=363

 

Ich darf meine Wohnung keinesfalls untervermieten

Irrtum!

Ein Untermietverbot kann, sofern die Wohnung unter das Mietrechtsgesetz fällt, nur aus wichtigen Gründen durchgesetzt werden. Dies passiert zum Beispiel dann, wenn die komplette Wohnung untervermietet wird, der Untermietzins unverhältnismäßig hoch ist oder die Zahl der Bewohner die Zimmeranzahl der Wohnung übersteigt.

 

Mir droht die Kündigung, wenn ich verbotenerweise Haustiere halte

Irrtum!

Eine Kündigung nach dem Mietrechtsgesetz ist nur in speziellen Fällen möglich, zum Beispiel dann, wenn die Wohnung durch die Haltung des Tieres einen „erheblichen“ Nachteil erleiden würde. Auch bei einem individuell vereinbarten Haustierverbot kann der Vermieter meistens nur auf eine Unterlassung, nicht jedoch auf eine Kündigung klagen. Ausnahme: Durch Hundegebell werden die Nachbarn regelmäßig gestört.

 

Wenn der Vermieter Eigenbedarf anmeldet, dann muss ich ausziehen!

Irrtum!

Das Anmelden von Eigenbedarf bedeutet noch nicht zwingend den Auszug des Mieters aus der Wohnung. Der Vermieter muss erst nachweisen, dass es sich um einen „dringenden Eigenbedarf“ für sich selbst oder für Verwandte handelt. Sofern dieser vorliegt, werden die verschiedenen Interessen abgewogen. Das bedeutet, dass z.B. eine ältere Dame mit Pflegebedürftigkeit auf die Wohnung aufgrund ihrer Barrierefreiheit stärker angewiesen sein kann, als der Vermieter mit seinem Eigenbedarf.

Wenn der Vermieter die Wohnung noch nicht länger als 10 Jahre besitzt, dann ist eine Kündigung aufgrund von Eigenbedarf ausschließlich nur dann möglich, wenn dem Mieter eine Ersatzwohnung zur Verfügung gestellt wird.

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