Stichwort Inflation – was versteht man darunter?

In diesem Artikel soll erläutert werden, was unter dem Begriff ‚Inflation‘ verstanden wird und wie sie sich auf unser Leben und unsere finanzielle Situation auswirkt.

Im letzten Blogartikel haben wir einige Gründe näher beleuchtet, die für die momentan starken Preissteigerungen bei Immobilien verantwortlich sind. Trotz der angeführten Gründe überraschen die Nachrichten aus der Immobilienbranche über neue Höchststände bei Wohnungs- und Grundstückspreisen immer wieder aufs Neue. Es lässt sich auch gar nicht leugnen, dass die Preise für nahezu alle Arten von Liegenschaften in den letzten Jahren gestiegen sind.

Dennoch wird ein wesentlicher Preistreiber in der Praxis gerne außer Acht gelassen: die Inflation, umgangssprachlich auch Geldentwertung genannt.

Was bedeutet Inflation?

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet Inflation, dass man heute mit einem gewissen Geldbetrag weniger Waren kaufen kann, als man das in der Vergangenheit konnte – die Preise wurden „teurer“, das Preisniveau ist gestiegen.

Wie lässt sich Inflation darstellen?

Die wohl bekannteste Form, Inflation darzustellen, ist anhand eines Warenkorbes. In diesem fiktiven Warenkorb befinden sich verschiedenste Güter und Dienstleistungen, die ein normaler Haushalt in Österreich über das Jahr hinweg kauft bzw. in Anspruch nimmt. Mithilfe dieses Warenkorbes soll nun das durchschnittliche Verbrauchsverhalten eines Haushaltes möglichst genau abgebildet werden.

Im derzeitigen Warenkorb des VPI 2017 befinden sich 801 Waren und Dienstleistungen, die in 12 verschiedene Verbrauchsgruppen eingeteilt sind. In der Verbrauchsgruppe ‚Wohnung, Wasser, Energie‘ befinden sich beispielsweise die Positionen ‚Wohnungsmiete‘, ‚Instandhaltungskosten‘ oder ‚Dienstleistung für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung‘. Sämtliche Positionen erhalten eine Gewichtung in Prozent. In Summe hat die Verbrauchsgruppe ‚Wohnung, Wasser, Energie‘ einen Anteil am gesamten Warenkorb von rund 20%.

 

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Wie berechnet sich nun die Inflation?

Vereinfach gesagt wird nun einfach der Preis des Warenkorbes aus diesem Jahr mit dem Preis des Warenkorbes aus dem vergangenen Jahr verglichen. Ist der Preis in diesem Jahr höher, so nennt man diese Preisdifferenz Inflation. Aber Achtung: Die Inflation ist ein Durchschnittswert. Angenommen, die Preise für die einen 50% der Güter und Dienstleistungen steigen um einen gewissen Prozentsatz und die Preise für die anderen 50% fallen in derselben Höhe, so ergibt das am Ende eine Inflation von 0% – obwohl sich sämtliche Preise im Warenkorb verändert haben!

Auch das System des Warenkorbes ist kritisch zu hinterfragen. Es mag sein, dass die Güter und Dienstleistungen so ausgewählt und gewichtet wurden, dass sie die Konsumgewohnheiten einer möglichst großen Anzahl an Haushalten in Österreich repräsentieren, jedoch kann auf individuelle Gepflogenheiten keine Rücksicht genommen werden.

Preissteigerungen können allerdings nicht nur inflationsbedingt sein, sondern auch durch Qualitätssteigerungen erklärt werden. Solche Faktoren bei der Berechnung zu berücksichtigen ist in der Praxis schwierig.

Eine Inflation um die 2% wird für eine Volkswirtschaft gemeinhin als angemessen betrachtet, da sie das Horten von Bargeld zuhause unattraktiv macht und eher dazu verleitet, das Geld direkt für Konsumgüter auszugeben.

Die monatlichen bzw. jährlichen Inflationsraten werden für jedes Land einzeln erhoben. Im Anschluss finden Sie exemplarisch die Entwicklung der Inflation in Österreich, Deutschland und China.

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Gerät das Wirtschaftssystem eines Landes durch ein atypisches, ungeplantes Ereignis ins Wanken, dann kann dies auch die Inflation stark beeinflussen. Die Ausreißer in der obigen Grafik lassen sich mit diesem Wissen durchaus erklären. So löste im Jahr 1973 der Ölpreisschock einen starken Anstieg der Inflation in vielen westlichen Ländern aus, und auch die Folgen der Finanzkrise von 2008 lassen sich leicht aus der Grafik ablesen.

 

Im folgenden Artikel gehen wir nun darauf ein, welche Auswirkungen die Inflation auf die Immobilienpreise hat.

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